TAJ MAHAL - Der Inder vom Kiez - Serie



Die Zeit von NO FUTURE und 99 Luftballons


Hamburger Kiez - 1988

 

Jahangir Alam zieht in die Gerhardstrasse Nr.7 ein, direkt gegenüber der berühmt berüchtigten Herbertstrasse. Seine Frau ist anfangs noch skeptisch, doch der damals 30jährige Jungunternehmer will es wissen. Er hat viel Geld investiert, mit der Bank verhandelt. Er will sich dort ansiedeln, wo die meisten Menschen herumlaufen - im Rotlichtmilleu der "schönsten Stadt der Welt" - am Puls der Hamburger Reeperbahn.

 

Heute fragt sich der 60jährige Gastronom, ob er vielleicht zu naiv gewesen war, oder ob er einen bestimmten Zeitpunkt verpasst hat, denn die Zeiten haben sich geändert. Von damals drei Restaurants ist nur noch eins übrig geblieben. Viel ist seitdem passiert - zusammen mit Herrn Alam reisen wir zurück - in die Zeit von NO FUTURE und 99 Luftballons - die Zeit der großen Verbrecherbosse , die Zeit der Luden und Kober.

 

"Eigentlich ist diese Zeit nicht vorbei", sagt Jahangir, doch es hat sich vieles geändert. Ob das zum Glück oder zum Pech gereicht, lässt sich nicht genau sagen. "Jede Medaille hat zwei Seiten", meint der Restaurantbesitzer.



Bis zu 20.000 Mark am Tag


Jahangir ist ein attraktiver Mann. Mit 60 Jahren hat er immer noch volles, schwarzes Haar. Gute Gene. Nur ein kleiner Ansatz von grauen Schläfen lässt erahnen, dass er es nicht immer leicht hatte, im Leben. Der 1,60 Meter kleine Mann bewegt sich sanft und ruhig, wie die meisten Inder, denen Mann so begegnet. Klischee? Vielleicht, aber Herr Alam ist wie er ist, bescheiden und freundlich. Doch es gibt auch eine andere Seite des Geschäftsmannes - den knallharten Boss. Diesen lässt er aber nur raus, wenn es unbedingt sein muss - zum Beispiel damals, als die Mafia veruschte, ihn auf Schutzgeld zu erpressen.

 

Lang und oft haben sie es versucht - ihn sogar mit einer Waffe bedroht. Doch Alam blieb standhaft und nüchtern. Sein Durchhaltevermögen wurde schließlich belohnt. 10 Jahre lang machte er sehr gute Geschäfte auf der sündigen Meile - alles legal und ohne etwas an die Verbercherbosse abgeben zu müssen. Manchmal hatte er Einnahmen von bis zu 20.000 Mark am Tag.


Breaking Good?


Nun könnte man meinen, dass einer, der so viel erlebt, soviel gesehen hat, ein hartgesottener Lebemann sein müsse; etwa so wie "Walter White" in der Serie BREAKING BAD. Doch Jahnagir Alam lebt nicht in einer TV Serie, er lebt in der wirklichen Welt und da gestaltet sich alles meist ganz anders. Er hat keine Millionen gemacht. Ganz im Gegenteil. Er lebt heute bescheiden und ist im Mittelstand angekommen. "Wenigstens bin ich gesund. Mehr brauch ich nicht", sagt Herr Alam mit glasigen Augen.

 

Er möchte mit der Welt der Verbrecher nichts mehr zu tun haben. Eigentlich meidet er die Öffentlichkeit komplett, doch als Restaurantbesitzer befindet man sich buchstäblich zwischen den Stühlen - man kann sich nicht total entziehen. Wer nicht wirbt der stirbt. Und der Standort in Fuhlsbüttel war früher viel besser mit Kunden belegt.

 

In den Hotels nahe des Flughafens kamen regelmäßig Staatsleute unter, weil sie nicht weit vom Airport entfernt residieren wollten. Das Taj Mahal war damals eine stille Geheimadresse um sich ohne Presse und in entspannter Athmosphäre zurückzuziehen und über Geschäfte unterhalten zu können.

 

Restaurantbesitzer Alam hat es dabei immer geschafft, sich trotz der Repressalien der Verbrecherwelt auf dem Pfad der Tugend zu bewegen. "Breaking Good" sozusagen.


Fuhlsbüttel ist der Off Kiez von Hamburg


Auch am Stadtrand von Hamburg, wo Alam nun lebt und arbeitet, gibt es einen "kleinen Kiez".

 

Das indische Restaurant - TAJ MAHAL - befindet sich in der Langenhorner Chaussee Nr. 11. Nur wenige Blocks weiter gibt es zwei Bordelle - einen mit vorwiegend rumänischen Frauen und einen internationalen Puff - auf er anderen Strassenseite, schräg gegenüber - sozusagen der Off Broadway von Hamburg oder sollte man besser sagen - der OFF KIEZ?

 

Auch hier gibt es Drogen- und Menschenhandel. Doch alles findet meist spät in der Nacht  - still und heimlich statt. Die Polizei scheint das zu tolerieren, weil es sich offenbar in Grenzen hält - hier ist es vorwiegend ruhig.

 

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich nicht allzu weit in die andere Richtung Hamburgs Haupt-Gefängnis - SANTA FU - emporhebt.

 

Und irgendwo mittendrin lebe ich, der Autor und Entertainer - A.A.Lucas - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

Ich schreibe die Biografie über Jahangir Alam, denn er kann nicht besonders gut deutsch und außerdem hat er zu wenig Zeit um zu schreiben. Deshalb erzählt er mir seine Geschichte und ich staune immer wieder darüber, dass gerade wir uns über den Weg gelaufen sind. Wo ich doch die Corpus Delicti Tour erfunden habe und mein Vater eine große kriminelle Vergangenheit in Hamburg hatte - was schließlich zu seinem bis heute ungeklärten Tod führte. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

 

Fortsetzung folgt...