Fragen Sie Dr. L.


Liebe Krimi Fans

Herzlich Willkommen in meiner kleinen aber feinen Kolumne.

 

Mein Name ist Dr. Manfred Lukaschewski oder kurz: Dr. L

 
Als ehemaliger Kriminalrat, Ballistiker und Diplom-Kriminalist habe ich in meiner Beamtenlaufbahn in der ehemaligen DDR unzählige Mordfälle gelöst. > >

Regelmäßig werde ich hier bei CORPUS DELICTI in dieser Rubrik Texte und Fotos zu den interessantesten Fakten rund um das Feld der Tötungsdelikte veröffentlichen.Gerne beantworte ich Ihre Fragen zu missverständnissen in TV und Film, oder berate Sie in Fragen der Recherche für ihren Kriminal-Roman.

 

Schreiben Sie an: dr_lukaschewski@hansa-ideal.de

 



Hinweis

Die folgenden Bilder sind zum Teil sehr morbide!

 

Da es sich um forensiche Aufnahmen handelt, die keiner Altersfreigabe unterstellt sind,

sollten Sie sich zwei-, oder lieber dreimal überlegen, ob Sie diese Bilder in Ihren "kortex memorandum"

(das Erinnerungszentrum Ihres Gehirns) aufnehmen wollen.

 

Wenn nicht, sollten Sie jetzt auf eine andere Seite auf dieser schönen Homepage klicken.

 

Allen anderen wünsche ich morbie Unterhaltung...Ihr Dr. L.



Okay...Das war nur zum Aufwärmen. Sind Sie bereit...? Dann los.



Ich werde in weiteren Posts immer wieder auf vielfältige Möglichkeiten der Leichenliegezeitbestimmung Bezug nehmen. Vielleicht bietet sich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung an. Die Möglichkeiten über die sogenannten supravitalen Zeichen habe ich erst kürzlich erwähnt. Ich weise deutlich darauf hin,  dass es sich um Erfahrungswerte handelt, die durch äußere Einflüsse (Temperatur) stark variieren können. 
Totenflecke Beginnend ca. 20 bis 30 min. post mortem am Hals und an den Ohrläppchen, konfluierend von 30 bis 120 min., komplett 6bis 12 hpm, wegdrückbar auf Fingerdruck ca. 10 bis 20 hpm. 
Umlagerbarkeit der Totenflecke  Bis zu ca. 12 bis 24 hpm, verbleiben aber teilweise nach ca. 6 hpm an  der ursprünglichen Stelle (so genanntes doppeltes Totenflecksystem)  
Totenstarre Beginn im Kiefergelenk nach ca. 2 bis 4 hpm, komplett nach 6 bis 8 hpm, bei Hitze schneller, bei Kälte langsamer Eintritt.  
Widereintritt der Totenstarre Erneute Totenstarre nach Brechen bis ca. 6 bis 8 hpm  
Lösung der Totenstarre  Sehr stark temperaturabhängig, Beginn meist nach 2 bis 3 Tagen,  vollständig nach 3 bis 5 Tagen, bei tiefer Umgebungstemperatur auch erst nach 2 bis 3 Wochen. 
Elektrische Erregbarkeit der mimischen Muskulatur 1 bis 6 hpm ipsilateral fortgeleitete Kontraktion, nur noch elektrodennah bis ca. 8 hpm.
Mechanische Erregbarkeit der Muskulatur so genanntes Zsako-Muskelphänomen 1,5 bis 2,5 hpm, so genannter idiomuskulärer Wulst 4 bis 12 hpm.
 
Pharmakologische Reizung der glatten Muskulatur der Iris Bis ca. 20 hpm möglich, selten bis zu 40 hpm  
Füllungszustand der Harnblase Bei Todeseintritt in der Nacht: leere Harnblase = erste Nachthälfte, volle Harnblase = Todeszeitpunkt in der zweiten Nachthälfte.
 
Abnahme der Körperkerntemperatur Postmortales Temperaturplateau für ca. 2 bis 3 hpm, danach  Abnahme der Körperkerntemperatur um 0,5 bis 1,5° C/h.
 
Magenentleerung Hilfreich, wenn der Zeitpunkt der letzten Nahrungsaufnahme bekannt ist.  Durchschnittliche Verweildauer im Magen bei leichter Mahlzeit ca. 90  min., bei durchschnittlicher Mahlzeit ca. 3 h, bei schwerer Mahlzeit ca.  4 h. (Identifizierung der Nahrungsbestandteile!)  
Grünfäulnis der Haut, häufig beginnend im rechten Unterbauch ab ca. 48 bis 72 hpm  
Durchschlagen des Venennetzes ab ca. 48 hpm.
 
Grünfärbung gesamte Bauchhaut, Augäpfel eingesunken ca 1 Woche  
Fäulnisblasen, Auftreibung des Leibes ca 2 Wochen.
 
Fetzige Hautablösung, Haare und Nägel auszieh- bar, Gesicht stark ge- dunsen (Person nicht erkennbar) ca 3 bis 4 Wochen  
Entomologische Leichenliegezeit- bestimmung Je nach Spezies, Wachstumsstadium und Umweltbedingungen ist Leichenliegezeitbestimmung nach Wochen möglich.
 
Fettwachsbildung im Wasser und bei Wärme unter anaeroben Bedingungen schon nach 3 bis 5 Wochen, im Erdgrab erst nach Monaten bis zu einem Jahr.
Skelettierung im Erdgrab regelmäßig erst nach 20 bis 30 Jahren (siehe Foto ... Skelettierung an Luft)  
Mumifizierung gering schon nach einer Woche möglich, teilweise nach Wochen, komplett nach Monaten, Haltbarkeit für lange Zeit.
Zusätzliche Präzision kann die Leichenliegezeitbestimmung  durch Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden erlangen, z.B. zu der Frage,  wann eine verstorbene Person zuletzt lebend gesehen wurde, den  Briefkasten leerte oder zuletzt telefonierte.

Brandstiftung,  ob fahrlässig oder vorsätzlich verursacht, hat leider in vielen Fällen  nicht nur den Sachschaden zur Folge, sondern auch Opfer:
Verbrennen Stadieneinteilung
Stadium I
Erythem Schon durch Wasser von 40 bis 50º C, bei empfindlicher Haut (Kinder) ab 40º C. Ursache des Erythems ist Kapillarektasie.  An der Leiche kann das Erythembild verschwinden, denn aus dem  ektatischen Bezirken läuft das Blut mitunter schneller aus, es sei denn,  der Erythembezirk liegt im Bereich der Hypostase. Die Gebiete, aus denen das Blut ausläuft, sehen weiß aus und haben einen roten Saum („Umkehrung des Erythembildes“).
Stadium II
„Stadium bullosum“ = Blasenstadium  durch 50 bis 70º C  heißes Wasser analog durch Säuren, Gasflammen,  Flammenwirkung anderer Art. Die Blasenbildung kann sofort, nach Minuten,  nach Stunden oder auch nach Tagen einsetzen.
Stadium III Stadium der Nekrose bei Temperaturen von 65º C und mehr. Die Eiweißgerinnung beginnt ab 62º C.
„Brandleiche“, postmortale Veränderungen
 Knochenschrumpfung durch Hitze, Schrumpfungskoeffizient im Durchschnitt  bei 10%. Der Laie stellt sich deutlich größere Schrumpfungen vor.
Stellung der Gliedmaßen
Es kommt zur Ausbildung der so genannten Fechterstellung oder „Boxerstellung“. Ursache:  Hautschrumpfung spielt nur eine geringe oder keine Rolle. Tatsächliche  Ursache ist die Verkürzung der Muskeln durch Eiweißgerinnung. Die  Fechterstellung kommt allmählich zustande. Im Feuer tritt einmal  Streckung, einmal Beugung auf , solange, bis eine Beugungsmittelstellung hergestellt ist.
Hautschrumpfungseffekte
Durch die  Hautschrumpfung in Verbindung mit den Bewegungen, die bei der Ausbildung  der Fechterstarre auftreten, kommt es zu Hautrissen, die sehr scharf  gerandet aussehen.
Physiognomie
Durch Schrumpfung der  Halsmuskulatur öffnet sich der Mund und die Zunge, die sich in der  ersten Phase der Verbrennung zurückzieht, wird durch Verengung des  Halsumfangs aus dem Mund herausgepresst.
Scheinbare epidurale Blutungen
„Brandhämatom“ - Blut wird durch lokales Anbrennen des Schädels ins  Schädelinnere hineingepresst, hinzu kommt Fett. Es entsteht ein dem  epiduralen Hämatom ähnliches Gebilde. Farbe des „Hämatoms“ ist  ziegelrot. Bei längerer Hitzeeinwirkung kann dann, wenn der Schädel  an einer oder mehreren Stellen eröffnet ist, das Gehirn stark schrumpfen  und liegt zu beiden Seiten dann der Falx an.
„Hitzeschusslöcher“
Durch starke, mehr allgemeine Erhitzung des Schädels kann es zu  schusslochartigem Aufplatzen mit Hirnaustritt kommen. Der Vorgang kann  mit Tabulafrakturen verschiedener Ausdehnung und Lokalisation kombiniert  sein. Gelegentlich kommt es auch zur Sprengung von Suturen.
Kalzinierung des Schädels
Der Schädel sieht nach längerer diffuser Hitzeeinwirkung grauweißlich aus, ist trocken und fettfrei.
„Brandleiche“, vitale Zeichen
Rußaspiration
Beim Umkommen in den Flammen wird Ruß aus den Rauch- und Schwelgasen aspiriert und geschluckt:  in Kehlkopfe  in Trachea und Bronchien  in Magen und oberen Dünndarm  in der Lunge 
Augenzeichen
Krähenfußbildung an den seitlichen Augenwinkeln (reflektorisches Zusammenkneifen der  Augen bei Hitzeeinwirkung) siehe FOTO  Wimpernzeichen: durch Augenschluss sind nur Wimpernspitzen angebrannt.